Die andere Seite der Spiele

Freitag, 9. Juni 2006
Die andere Seite der Spiele
Abgeordnetenspalte von Heike Hänsel im Schwäbischen Tagblatt

Heute beginnt die Fußball-WM. Auch ich freue mich auf interessante Fußballspiele… Gerade zurückgekehrt von der Wahlbeobachtung in Kolumbien, möchte ich den Blick aber auf einen anderen Aspekt lenken. Die Spielorte sind fest in Sponsoren-Hand. In Kolumbien werden die meisten Morde an Gewerkschaftern weltweit verübt. Coca-Cola – Hauptsponsor der WM 2006 – profitiert von dieser Situation. Seit Jahren betreiben die Coca-Cola-Abfüller in Kolumbien mit Hilfe von Paramilitärs eine extrem gewerkschaftsfeindliche Politik.

Coca-Cola ist ein Beispiel dafür, wie prekäre Arbeitsverhältnisse global durchgesetzt werden: Löhne werden gesenkt, feste Arbeitsverträge aufgelöst. Auch wenn die Bedingungen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich sind, die Tendenz ist überall gleich. Deshalb muss der Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen gemeinsam und in weltweiter Solidarität geführt werden.

Wir haben ein Kolumbien-Hearing im Bundestag organisiert, gemeinsam mit Gloria Cuartas, der „Bürgermeisterin des Friedens“ aus Kolumbien, um die Rolle multinationaler Konzerne sowie der Bundesregierung und der EU kritisch zu beleuchten und konkrete Friedensinitiativen zu unterstützen.

Kurz vor der WM hat die Bundesregierung noch schnell weitreichende Beschlüsse gefasst: den Einsatz deutscher Soldaten im Kongo und die so genannte „Fortentwicklung“ von HartzIV. „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“, lautet das Motto von Franz Müntefering und beschreibt genau den Kern der neuen HartzIV-Verschärfungen.

Statt weiterer Repression gegen Erwerbslose sind arbeitsmarktpolitische Initiativen, wie ein gesetzlich festgelegter Mindestlohn, eine Ausbildungsumlage, radikale Arbeitszeitverkürzung und Investitionen in den öffentlichen Sektor dringend notwendig, wie sie die Linksfraktion umfangreich vorgestellt hat. Von Seiten der Bundesregierung Fehlanzeige! Wir werden unsere Kampagne für einen Mindestlohn und für eine menschenwürdige Grundsicherung für alle in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen, auch auf europäischer Ebene.

Wir wollen gemeinsam mit anderen linken Kräften und sozialen Bewegungen in Europa eine Offensive gegen Sozialabbau und Privatisierungen starten sowie gegen die Militarisierung europäischer Außenpolitik. Der Militäreinsatz im Kongo sei ein Beispiel „zukünftiger europäischer Verteidigungspolitik“ meint Javier Solana, zuständig für die europäische Außenpolitik. Um so entscheidender ist es, dass wir eine aktive Friedenspolitik gegen diese Militärpolitik entwickeln.

Der Fußball könnte durch seinen völkerverbindenden Charakter eigentlich einen guten Beitrag dazu leisten. So hat allein die WM-Teilnahme der Elfenbeinküste zu einer Annäherung der verfeindeten Gruppen im Norden und Süden des afrikanischen Landes beigetragen. In diesem Sinne hoffe ich auf ein gutes Abschneiden des Teams der Elfenbeinküste…

Heike Hänsel
Bundestagsabgeordnete der Linken

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